Territorialübernahme

Aktion im öffentlichen Raum, 2012

und

Fotoinstallation, 2012

86 Teile à 10 x 15 cm, bearbeitete Videostills auf Fotopapier ausgearbeitet, Maße variabel

Die Arbeit ist Dokumentation einer Kunstaktion in Form von bearbeiteten Videostills. Die Performance wurde per Video dokumentiert. Aus dem entstandenen Filmdokument wurden einzelne Szenen, Momentaufnahmen genommen und in einer chronologischen Anordnung zusammengefügt. Linien, Markierungen, Spuren und Abgrenzungen werden sichtbar, eine neue Lesart, eine neue Form entsteht.

Aktionistische Land Art könnte eine Bezeichnung für die Arbeit Territorialübernahme sein. Die Annäherung an das zu erobernde (Jagd)Territorium ist, im Sinne von Deleuze, ebenso Teil der Arbeit, wie auch die tatsächliche Okkupation und Inanspruchnahme des Territoriums (Territorialisierung) und das Verlassen des nun zum eigenen Territorium erklärten Gebiets (Deterritorialisierung).

Die Künstlerin schlüpft in die Rolle eines Tieres oder Mischwesens, ist ein Human Animal, also ein menschliches Tier. Dieses Wesen, mit winterlichem Tarnkleid ausgestattet, vor schneebedeckter Landschaft, nähert sich dem Territorium eines Jägers, besetzt dessen Hochstand und steckt die Territorialgrenzen neu ab. Das Tier erobert sich sein Gebiet quasi zurück. Gleichzeitig ist dieses Waldgebiet auch jenes Territorium, welches der Künstlerin Petra Kodym, bestens vertraut ist, da sie dort fast jeden Tag ihre Wanderung macht(e). Die Kunstaktion hat also auch eine sehr persönliche Bedeutung, da auch das Territorium der Künstlerin nochmals in einer aktionistischen Handlung, einem Ritual, abgesteckt wird.

Das Nachdenken über den Begriff des Territoriums hat sich hier in einer realen Aktion manifestiert, das Territorium wird physisch erobert. Gleichzeitig werden die Sinnhaftigkeit und die moralische Qualität von allzu strikt gezogenen Grenzen und angebrachten Markierungen in Hoheitsgebieten in Frage gestellt.

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